Tagebuch einer Studentin | Gut gemeint ist die kleine Schwester von Scheiße | KW 09

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In der Theorie war diese Woche vollgestopft mit universitären und freiwilligen Zusatzveranstaltungen – trotz Semesterferien(!). Aber um zu wissen, dass Theorie und Praxis nur selten identisch sind, muss man nicht studiert haben.

Am Anfang war die Motivation…

Aber erst einmal ganz von vorn. Ganz motiviert dachte ich am Ende der Vorlesungszeit Zusatzqualifikationen wären ja was Feines!. Und wo bekommt man diese am günstigsten? Natürlich an der Uni des Vertrauens – oder der Agonie (je nach Vorliebe eben) – und das auch noch ganz umsonst. Meine Uni bietet in der sogenannten Winter School (bzw. Sommer School im Sommer) während der vorlesungsfreien Zeit auch ein paar Sachen an. Dabei sind Veranstaltungen zur Berufsqualifikation, so z.B. ein Bewerbungstraining, ein Bewerbungsmappentraining und das Bewerbungsgesprächstraining, das Bewerbungsauswahlverfahrenstraining, sowie natürlich ein Bewerbungsselbstpräsentationstraining und ein Bewerbungsgehaltsvorstellungstraining – ihr kennt das. Daneben gibt es aber auch Workshops zum wissenschaftlichen Arbeiten und natürlich auch zu EDV-relevanten Themen. Dabei fiel meine Wahl auf einen InDesign-, und einen Photoshop-Workshop und ein Google AdWords-Zertifizierungs-Bootcamp.

An InDesign hatte ich mich mal kurz herangewagt als ich unsere Abizeitung gesetzt habe. Hatte damals aber weder die Zeit noch die Muße, mich wirklich einzuarbeiten und habe stattdessen alles mit Photoshop gemacht. Tja, warum dann also einen Photoshop-Kurs? Ehrlich gesagt, weiß ich das auch nicht sooo ganz, denn prinzipiell würde ich behaupten, kann ich damit einigermaßen umgehen. Allerdings erhoffe ich mir dann immer noch ein kleines Fünkchen neuer Informationen.
Das Google-AdWords-Zertifizierungs-Bootcamp fand ich dabei aber am spannendsten, schließlich studiere ich Informationswissenschaft und dementsprechend wäre das eine tolle Ergänzung zu den Studieninhalten.

Nach der Motivation kommt die Realität

Trotz jahrelanger Enttäuschungen, gehe ich immer wieder von meinem Glück aus und bin mir jedes Mal sicher, dass ich schon einen Platz bekommen werde. Spoiler: Pustekuchen.
Hier ein kleines Rechenbeispiel, um meine Chancen zu verdeutlichen: An unserer Uni sind derzeit 29.368 Studenten eingeschrieben. Der InDesign-Kurs wird 1x angeboten und hat ganze 24 Plätze. Ihr seht, worauf das hinausläuft? Ich gebe zu, dass natürlich nicht jeder der 29.368 Studenten den Kurs belegen will, aber am Ende blieben immer noch über 150 Interessenten. Dass das nichts wird, sehe sogar ich mit meinen Jahre zurückliegenden 5-Punkte-weil-Sie-so-nett-sind-Mathe-Abinote.
Tja, also blieben mir von den drei Anmeldungen ganze 0 Zulassungen. Gute Quote.

Gut gemeint…

Im Ernst: Ich finde es sehr gut, dass Universitäten, solche Zusatzqualifikationen bzw. Unterstützungen für die Studierenden überhaupt anbieten. Da sei es auch erstmal gut, dass zumindest ein Kurs zustande kommt. Schließlich sind 24 Studenten pro Semester besser als keine.
Trotzdem frage ich mich, wieso Kurse, die offensichtlich eine hohe Anfrage genießen und auf großes Interesse stoßen, nicht mehrmals angeboten werden. Es scheint schließlich einen Hampelmann zu geben, der bereit ist, den Studierenden sein Metier näher zu bringen. Wieso also nicht ein paar Mal öfter.
Allerdings fürchte ich die Antwort zu kennen. Denn sie fängt immer mit G an und hört mit ELD auf. Immer. Am Ende ist der Grund immer das liebe Geld. Vor allem in der Bildung.

Gut gemeint und völlig vermasselt

Die penible Teilnehmerbeschränkung bei Kursen, die auf PC-Plätze angewiesen sind, kann ich absolut nachvollziehen. Beim Google-AdWords-Zeritifizierungs-Bootcamp habe ich allerdings kein Verständnis.
Kurze Vorgeschichte: Diese Veranstaltung fand in einem Hörsaal mit 600 Sitzplätzen statt, nach etwas über 80 Anmeldungen wurde die Anmeldung vorzeitig geschlossen und die ersten bekamen eine Mail, dass sie aufgrund der hohen Nachfrage nur auf der Warteliste stünden. So natürlich auch ich.
Wie das aber an Unis so ist, gehe ich ggf. doch hin und gucke, ob ich nicht noch einen freigewordenen Platz ergattern kann. Ja, das konnte ich:

Nach grober Zählung kam ich am Zenit der Anwesenheitszahlen auf knapp über 40. Jetzt stellten sich mir einige Fragen, noch bevor der Referent auch nur ein Wort gesagt hatte.
1. Wieso wurde trotz der enormen Raumkapazität die Möglichkeit der Anmeldung so früh gesperrt?
2. Haben sich wirklich so viele Studis ohne vorherige Abmeldung an entsprechender Stelle gegen die Veranstaltung entschieden? Wobei eine Abmeldung per Mail doch ausdrücklich gefordert war.
3. Wieso kam keine Mail an diejenigen auf der Warteliste, dass Plätze frei geworden sind?

Das sind organisatorische Defizite, die sowohl von Seiten der Lehrenden als auch von Seiten der Studierenden, die sich nicht abgemeldet haben, dringend behoben werden müssen. Meiner Meinung nach ist es nicht nur eine Enttäuschung, sondern auch vertanes Geld und Mühe, wenn am Ende nur ein Bruchteil eine begehrte Veranstaltung belegen kann / darf / will.

Wie ich trotz Ehrgeiz einen Tag verschwendete

Wie schon gesagt, war ich dann da bei diesem Bootcamp und durfte auch offiziell bleiben. Wie man auf dem Foto oben schon erkennen kann, gab es wie bei großen Konzerthallen, für die weiter hinten sitzenden, links und rechts zusätzliche Leinwände. Die dazugehörigen Beamer waren allerdings derart schlecht eingestellt, dass man darauf herzlich wenig erkennen konnte. Aber selbst vorne an der Hauptleinwand war der Kontrast so gering, dass man auch mit guten Augen nur spärlich etwas erkennen konnte. Auch da stellte ich mir innerlich die Frage, was sich ein ach so versierter, von Google zertifizierter Herr dabei denkt, sein Präsentationslayout so zu wählen, dass die wichtigsten Aspekte mit der gefühlt kleinsten Schrift weiß auf hellblauen Grund geschrieben sein müssen. Also mir wurde so ein Irrsinn schon in der Schule ausgetrieben. Ebenso nahezu exorziert wurde mir, dass ein guter Vortrag nicht zu 33,33% aus Ähm bestehen sollte.

Mein Kommilitone und ich haben kurz überlegt, ob wir das berüchtigte Aber-Ähm-Trinkspiel aus der Serie How I Met Your Mother hier nicht einmal testen sollten. Nach 10 Minuten bewussten Wahrnehmens der Ähms, haben wir uns unserer Gesundheit wegen dagegen entschieden.

Dazu kam, dass die Veranstaltung eher einem Werbeevent für seine SEO-Argentur glich, als einer Lehrveranstaltung. Dass der Herr auch nicht gut erklären konnte, wunderte mich da auch nicht mehr. Hätte ich durch mein Studium und eigenes Vorwissen nicht schon eine Basis gehabt, ich glaube, das alles hätte mich schon nach der ersten Pause in die Flucht geschlagen.

So ging es aber wohl einigen Leuten, denn nach der großen Mittagspause, hatte sich das eh schon kleine Publikum noch einmal verringert. Ich hielt zwar den ersten Tag durch, entschied mich aber, dass mir in diesem Falle ein Selbststudium weit mehr brachte als ein Unternehmensvertreter, der schlechter referierte Robin Scherbatsky moderierte.

Am Ende der Woche kann ich mir nicht vorwerfen, es nicht zumindest versucht zu haben.

Wie lief eure letzte Uni-Woche? Kennt ihr solche „Gut gemeint, aber…“-Situationen aus eurer Uni?
Schreibt es mir gern in die Kommentare, ich bin gespannt!

Ist müde und trinkt jetzt erstmal einen Kaffee
– missmoere

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