Prokrastinations-Log

von

Vier Stunden vom feinsten protokolliertes Studentenleben – von Prokrastination und anderen plötzlich sehr wichtigen Dingen.
– Ich, 26, in Höchstform.

08:38 Uhr:
Aus dem Bett gekrochen, nachdem der Freund die Haustür hinter sich zugezogen hat. Immer diese arbeitende Bevölkerung. Weckt um diese unchristliche Zeit doch glatt die armen Studenten.

08:42 Uhr:
Den Entschluss gefasst, sich heute einfach mal früh an den Schreibtisch zu setzen und etwas für die Uni zu tun.

08:43 Uhr:
Den PC anschalten, weil diese alte Krücke rund 15 Minuten zum Hochfahren und Akklimatisieren braucht. Wie ich morgens. Ich habe also Verständnis und ärgere mich ausnahmsweise nicht über diesen Zustand. Gleichgesinnte sollte man schließlich nicht verachten. Ich tu’s trotzdem.

08:55 Uhr:
Ich laufe wirr durch die Wohnung auf der Suche nach Klamotten, die mich warm halten, und nach Heizkörpern, deren Drehding ich noch 1 Millimeter weiter drehen kann, damit ich auch wirklich nicht friere. Endergebnis: Die Toten Hosen-Langarmshirt mit kuscheliger Kraftklub-Jacke trifft auf Jogginghose und gefühlt 5 Paar Socken. Arbeitskleidung eben.

09:11 Uhr:
Endlich an den PC geschafft. Aber es warten noch unbeantwortete WhatsApp-Nachrichten von gestern Abend und von heute Morgen auf mich. Die müssen lang und ausführlich beantwortet werden – natürlich mit WhatsApp Web, damit es mir noch leichter fällt, mehr unnötiges Zeug brabbeln zu können.
Ich bin nämlich ein Schreiberling und meide telefonähnliche Aktivitäten wie Sprachnachrichten tunlichst!

09:22 Uhr:
Anruf bei der Werkstatt meines Vertrauens. Das wollte ich eigentlich gestern schon machen, aber ich hasse telefonieren bis aufs Blut. Wirklich. Aber plötzlich scheint mir die Wahl zwischen telefonische Aktivitäten und Wissensrepräsentation erstaunlich leicht zu fallen.
Überzeugtes Einreden, dass ich unbedingt jetzt anrufen müsse, weil ich es dann hinter mir hätte. Wahr, aber doch irgendwie nicht.
Aber immerhin: Der TÜV-Termin ist gesichert.

09:34 Uhr:
Die beigelegte CD der letzten RockHard habe ich noch gar nicht gehört. Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um neue Musik zu entdecken? Natürlich gibt es den…nicht! Also rein mit der Platte. Schon brüllt mich Anders Fridén von In Flames an und ich bereue es nur ganz kurz, mir diese Beilege-CD eingeworfen zu haben.

09:36 Uhr:
Erstmal einen Energy Drink gönnen. So geht das ja nicht!

09:40 Uhr:
Wichtige Twitternachricht in die Welt schicken, denn Infos zum Konzert von gestern können natürlich nicht länger auf die Welt da draußen warten.
Du findest mich übrigens auf Twitter unter moere689

09:46 Uhr:
Auf Instagram seit Tagen nichts gepostet. Das muss dringend nachgeholt werden. Warum nicht jetzt? Eben. Also raus mit dem Pinsel-Post!

10:06 Uhr:
So langsam sackt die Erkenntnis über das, was ich hier tue. Prokrastination. Pro-Level over 9000. Mit dieser Erkenntnis reift aber auch eine Idee. Nämlich diese hier.
Anhand meines WhatsApp- und Anrufverlaufs sowie der Postingzeiten rekonstruiere ich meinen Morgen bis hierher für dich.

10:37 Uhr:
Puh, ganz schön was geschafft heute Morgen, würde ich sagen! Leider hatte ich meinen Schreibtisch gestern schon aufgeräumt, d.h. das kann ich jetzt nicht mehr machen.
Da mittlerweile die Beilege-CD durch (geskippt) ist, gehe ich jetzt zu RadioBob über. Pop ertragen meine Gitarrengestreichelten Ohren derzeit nämlich leider nur in Maßen. Allein, dass ich mir darüber jetzt schon wieder Gedanken mache, spricht Bände. Ich sollte wirklich mal anfangen.

10:40 Uhr:
Moment! Erst nochmal schnell den Docht meines Yanke Candle HW kürzen! Sonst brennt sie doch nicht perfekt ab. Ich sag ja: Elementar wichtig!

10:46 Uhr:
Unterlagen sind ausgedruckt und bereitgelegt. Ich fang jetzt an! Ich schwöre! Wirklich! Ganz ehrlich!

11:29 Uhr:
Wenn ich mir meine Nägel so angucke, könnten die durchaus mal wieder lackiert werden….
Aber nicht jetzt!

12:14 Uhr:
Das Gefühl, meine Füße könnten jeden Moment erfroren abfallen, beschleicht mich. Ich sollte mir meine Hausschuhe anziehen, hab aber Angst, dass ich auf dem Weg über eine Wohnungsecke stolpere, die unbedingt JETZT aufgeräumt / umgeräumt / geputzt / erneuert oder renoviert werden muss.
Erleichtert entdecke ich beim Aufstehen, dass sie neben meinem Schreibtisch stehen. Glück gehabt!

12:16 Uhr:
Im Radio läuft My Champion von Alter Bridge. Ich gönne mir eine kleine Kopf-aus-Pause.

12:23 Uhr:
Weitermachen, aber so langsam bekomme ich Hummeln im Hintern. Trotzdem will ich den Foliensatz noch fertig machen. Go for it! Noch 7 Folien.

12:30 Uhr:
Das ging schneller als gedacht!
Ich mache jetzt Pause. Und danach geht es weiter.
Es geht weiter, wie dieser Artikel angefangen hat. Mit Prokrastination bis ich nichts anderes mehr zu tun habe als mich an meine Uniunterlagen zu machen. Ich erspare dir daher ab jetzt dieses Elend. Möchtest Du es aber nochmal durchleben, dann fang einfach mit diesem Artikel nochmal von vorne an. Viel wird sich nicht ändern, versprochen.

Neigst Du auch zum Prokrastinieren oder ist Selbstdisziplin dein zweiter Vorname? Was müsstest Du eigentlich tun und warum fällt es dir so schwer?


Fährt gleich einkaufen, um sich für die Wahlnacht mit Knabbereien und Nervennahrung zu versorgen.
Unterschrift



Now Playing: Shinedown – How Did You Love

1
4 Responses
  • Cristin
    November 8, 2016

    Haha, das könnte glatt mein Ablauf des Vormittags sein, außer,dass ich doch c.a 2 Stunden früher aufstehe. 🙂 Wenn ich etwas wichtiges machen muss, dann ist generell alles andere viel wichtiger. Hausaufgaben, oder Texte lesen schiebe ich so lange auf, bis es schon fast die Deadline erreicht hat. Das nervt mich leider sehr, und ich nehme mir jedes mal vor, dass ich das beim nächsten Mal ändere. Niemals aufgeben. 🙂

    Übrigens hasse ich auch telefonieren. Voll schlimm. :-/

    Liebe Grüße,

    Cristin

    • moere
      November 10, 2016

      Du stehst so früh auf? O.O
      Für mich war das schon früh! Ich bin einfach kein Morgenmensch.

      Mich nervt das Aufschieben auch, aber irgendwie wird es auch mit dem Alter nicht besser 😀

      Telefonieren sollte abgeschafft werden! Ich bin froh, dass immer mehr per Mail geht 😉

      Liebe Grüße zurück!

  • Maja
    November 14, 2016

    Mein zweiter Vorname ist definitiv Prokrastination. Eigentlich hasse ich aufgeschobene Dinge, ’ne volle Ablage und einfach alles, was bereits erledigt sein könnte. Trotzdem krieg ich’s irgendwie null hin und das Ganze geht mittlerweile so weit, dass ich echt alles auf den letzten Drücker erledige. Dabei ist das Gefühl, wenn man etwas endlich geschafft hat, so schön! Irgendwann habe ich mir mal den Vorsatz genommen, alles gleich zu erledigen, weil man’s sonst gar nicht macht oder die Vorstellung immer mieser wird. Wenn man’s durchzieht, ist es die beste Sache, aber läuft halt mittlerweile gar nicht mehr. Fail. 😀
    Und hey – Telefonieren ist so ein Abturn oder? Hass, Hass, Hass. I feel ya.

    Ich mag den Beitrag sehr gerne, macht Spaß zu lesen! :)))
    Liebste Grüße!

    • moere
      November 14, 2016

      Huhu Maja (:

      Freut mich wirklich sehr, dass dir der Beitrag gefallen hat (:

      Jaja, die lieben Vorsätze sind nicht nur zu Jahresanfang ein quälende Herausforderung. Mir geht es aber auch so. Der Vorsatz ist groß, weil das Liegengebliebene nicht nur nervt, sondern einen regelrecht verfolgt, aber letztendlich: Nix. 😀 Daran muss ich auch arbeiten.

      Liebe Grüße zurück (:

Hinterlasse einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: