Das Bullshit-Blockseminar | Tagebuch einer Studentin | KW 26

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Während ich diesen Artikel schreibe, sitze ich in eben solch einem Blockseminar. An einem Samstag. Während der Vorlesungszeit. Am Tag des Viertelfinalspiels Deutschland gegen Italien. Muss ich wirklich noch mehr sagen?

Von Ausnahmen und äußeren Umständen

Für mich gibt es eine Bullshit-Ausnahme: Projektseminare. Da kann es durchaus sinnvoll sein, sich mal einen vollen Tag zusammenzusetzen, um nicht in die 90min einmal die Woche gezwungen zu sein.

Wenn nicht gerade Prüfungszeit ist, hat der gemeine Student an einem Samstag nichts in der Uni zu suchen. Vor allem nicht, wenn an diesem Tag Deutschland gegen Italien spielt. Ich muss doch das Public Viewing und mich selbst vorbereiten (Vorschlafen, Vortrinken usw.). Stattdessen sitze ich also in der Uni.
Du siehst, schon die äußeren Umstände sind fürchterlich ungünstig.

Von Versprechungen und der grausamen Realität

Um dir ein Beispiel zu geben, wie man ein Blockseminar nicht gestalten sollte, folgt nun eine Zusammenfassung des Elends.

Die Dozenten waren immerhin so verständnisvoll und vermutlich vorausschauend, das Seminar erst um 10:30 Uhr beginnen zu lassen. Im Vorlesungsverzeichnis stand 9 Uhr. Da schüttelt es doch einen als Student, oder?! Pünktlich angefangen, dachte ich am Anfang noch, dass es ja doch gar nicht so schlimm werden würde. Es gibt schließlich schlimmere Themen als Schriftbilder / Bilderschriften anhand von Graffitis zu besprechen. Stimmte auch. Trotzdem kam es anders.

Nach der Einführung durch die Dozenten stellten sie einen Gastdozenten mit einem Gastvortrag vor. Dem Nachnamen zufolge war das wohl ein Verwandter eines der Dozenten. Oh Oh. So eine Vetternwirtschaft kann schnell ins Auge gehen. Spoiler-Alarm: Natürlich tat sie das auch.
Dieser Verwandte war Künstler und studierter Kunsthistoriker. Da krempelten sich mir schon meine Zehennägel hoch. Ich möchte den Kunsthistorikern keinesfalls ihre Daseinsberechtigung absprechen, aber im Durchschnitt sind es einfach nicht die unterhaltsamsten Zeitgenossen. Und dieser Mittfünfziger war ein beiger Prototyp dessen.

Kunst: Mit Wasser an eine Tafel schreiben

Dieser Mann hatte sicherlich Ahnung von dem, was er da redete, aber er hatte eben keine Ahnung von Vorträgen, Spannung oder Studenten, die an einem Samstag im Schweiße ihres Angesichts in die Uni gekrochen waren.

Er händigte uns einen Din-A4-Zettel voll mit für ihn relevanter Literatur und stellte diese einzeln vor. An dieser Stelle muss ich sagen, dass er das immerhin frei vorgetragen hat. Schlimm genug, dass ich das hier herausheben muss. Denn der beige Traum von einem Künstler ging nun zur Vorlesung über. Vorlesung an dieser Stelle bitte wortwörtlich verstehen. Gespickt mit kruden, wirren und irren Bildnissen per Power Point hat er uns ca. eine Stunde vorgelesen. Ich hatte vermutet, ich bin aus dem Alter raus, dass man mir nicht zutraut, ein paar Zeilen selbst zu lesen.

Der werte Herr Gastdozent wäre aber nicht Künstler, wenn er nicht auch Kunst schaffen würde. Also bewaffnete er sich mit Handschuh und einem Döschen Wasser und fing an, die Tafel mit irgendwelchen Zitaten vollzuschreiben. Du weißt, wie lang dieser Tafel-Dreier in Hörsälen ist, ja!? Okay. Die hat er komplett vollgeschrieben. Lass das auch noch einmal gut 20 Minuten gedauert haben.

20 Minuten, in dem ich einem alten Mann dabei zusehen konnte, wie er verwirrt mit Wasser Tafeln beschmiert, dabei wirres Zeug vor sich her brabbelt und sich über die Endlichkeit des Seins erfreut. Wenn ich sowas sehen will, fang ich wieder im Seniorenzentrum für Demenzkranke an. Die nehmen sich selbst wenigstens nicht so furchtbar ernst.

Mittlerweile war es also 12:30 und die angepriesene Pause war schon eine halbe Stunde überfällig. Aber ich bekam immer noch Dinge vorgelesen, die mich nicht interessieren und die ich nicht wissen will.

Vom Regen in die Traufe

Nach der Pause dachte ich, dass ich das schlimmste Elend überstanden hatte. Ja, das Schlimmste hatte ich tatsächlich auch hinter mir, aber nun folgten 25 Minuten Ausschnitte aus einer Dokumentation. Ich wäre am liebsten aufgestanden und gegangen.

Warum? Ich fasse es ganz kurz zusammen: Mittlerweile war es 13:40 Uhr und ich hatte bis auf einen Rohrkrepierer und einer mittelmäßigen Doku keinerlei Input erhalten, den ich mir nicht auch zuhause auf dem Sofa hätte reinziehen können.

Eine halbe Stunde später bin ich gegangen.

Kennt ihr solche Blockseminar-Desaster? Teilt mir gern eure schönsten und schlimmsten Blockseminar-Momente mit. Ich freu mich drauf!

Schaut jetzt die Fußball-Vorberichterstattung
– missmoere

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2 Responses
  • Cristin S.
    Juli 4, 2016

    Sehr toller und amüsanter Bericht. 🙂 Ich hatte bis jetzt nur ein Blockseminar auf nen Samstag und Sonntag und das war letztes Semester. Das war aber in Ordnung, da wir uns jeweils zu zweit einen Song aussuchen sollten, und dann Songbook-Sheets (also Melodie und Instrumente raushören und mit nem Keyboard am Pc einspielen) mit Musiksoftware einspielen sollten.
    Aber ich hasse Blockseminare am Wochenende, leider muss ich nächstes Semester noch eins belegen, aber man schafft das ja irgendwie.
    Hattet ihr denn Anwesenheitspflicht?

    Liebe Grüße,

    Cristin

  • moere
    Juli 5, 2016

    Danke dir (:

    Ich finde in deinem Fall macht so ein Blockseminar durchaus Sinn, finde ich. Sowas braucht ja auch Zeit! Außerdem klingt es für mich als Laie nach einem ziemlich coolen Thema 😉
    Blockseminare am Wochenende sind wirklich richtig ätzend. Aber du hast recht, irgendwie schafft man es dann.

    Wir hatten keine Anwesenheitspflicht. Aber da wir nur sehr wenige im Kurs sind, kennt der Dozent uns alle zumindest vom Sehen. Daher wollte ich zumindest einen einigermaßen guten Eindruck machen 😀

    Liebe Grüße zurück (:

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