Wenn Perfektionismus zum Hindernis wird | Tagebuch einer Studentin | KW 22

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Manchmal habe ich das Gefühl, dass heute – und bei Heute weiß ich nicht einmal, ob ich die heutige „gesellschaftliche“ Zeit oder einfach mein Alter meine – viel auf Perfektionismus getrimmt oder das Gegenteil mit Larifari-mach-was-dir-Spaß-macht verschönt wird. Aber was ist, wenn ich Larifari für mich nicht (mehr) möchte? Dann verfalle ich dem Perfektionismus und nichts wird mehr gut genug. Genau so geht es mir grad.

Wenn Du mein Studententagebuch schon länger liest, weißt Du, dass ich mit Selbstdisziplin und Ehrgeiz ganz neue Facetten an mir entdeckt habe. Google sagt, Ehrgeiz sei „die Eigenschaft, dass man sich sehr anstrengt, um viel zu leisten und dafür Anerkennung zu erhalten“. Aber viel ist mir mittlerweile nicht mehr genug oder anders ausgedrückt: Ich empfinde vieles nicht mehr als genug. Du kannst dir das vorstellen, wie ein fehlendes Sättigungsgefühl. Normalerweise isst Du und irgendwann merkst Du, dass Du satt bist, weil Du die Familienpizza allein gegessen hast – man war das viel! Ich esse aber zwei Familienpizzen und habe das Gefühl, ein Stück gegessen zu haben. Wundere mich dann aber, warum ich mich so voll und müde fühle.

Die Messlatte ist unerreichbar

Momentan habe ich Gefühl für das Genug verloren. Um mal von dieser abstrakten Ebene weg zu gehen und dafür hin in die Wirklichkeit: Ich arbeite an diesem Forschungsprojekt mit. Da ist es mir nicht das erste Mal passiert, dass ich so wahnsinnig unzufrieden mit meiner Abgabe war, weil zu schlecht, zu wenig Quellen, zu doof. Und am Ende war alles über den Anforderungen und mir wurden Sonderaufgaben und mehr Verantwortung übertragen.
Das klingt natürlich jetzt alles halb so wild, aber das ist es nicht. Denn die Unzufriedenheit ist ja nur die Spitze des Eisbergs.

Diese Unzufriedenheit führt dazu, dass ich mich innerlich so lange selbstgeißele und unter Druck setze, dass nur noch am Schreibtisch sitze, davon träume und völlig überfordert bin. Ich überfordere mich selbst. Denn niemand anderes hat so hohe Anforderungen an mich, wie ich. Aber warum das Ganze? Warum setze ich meine Messlatte so hoch, dass ich da sowieso nicht dran komme – schließlich ist kein Mensch perfekt, habe ich mir sagen lassen – und selbst wenn ich dran komme, sind meine körperlichen Reserven so aufgebraucht, dass ich erstmal ein Wochenende durchschlafen könnte. Aber das geht nicht, ich muss ja mehr tun. Da wären wir wieder bei dem Thema Balance. Mit Balance im Studium habe ich es eben nicht so ganz.

Aber ich arbeite dran. Deswegen kommt dieser Artikel auch erst heute, weil ich am Wochenende Kraft getankt und nichts getan habe. Jetzt geht es in die neue Woche mit mehr Achtsamkeit, den Blick auf Balance und ein bisschen weniger Perfektionismus.

Geht jetzt erstmal den Hund ein kühles Plätzchen schaffen.
– missmoere

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